24. September 2009

Afghanistan oder Sozialpolitik - Was zieht im Web 2.0? - Themencheck zur BTW
nicht bewertet — linkfluence_de @ 7 h 38 min

Der Countdown zur Bundestagswahl läuft auf Hochtouren und trotz des eher langweiligen und unspektakulären Wahlkampfes steigt die Spannung. Vor allem die aktuellen Prognosen und die Koalitionsaussagen oder –absagen sorgen für Aufsehen bei Wählern und Politstrategen. Die unentschlossenen oder strategischen Wähler sind hart umkämpft und besonders die „großen“ Volksparteien versuchen mit aller Macht ihr Klientel zu mobilisieren.
Die Forscher und Analysten von linkfluence Deutschland/Q Agentur für Forschung hatten in der letzten Woche die Performance der Spitzenkandidaten im Web 2.0 betrachtet (siehe Artikel „Butter bei die Fische“ vom 17.9.09 in diesem Blog). In dieser Analyse geht es um die Themen, mit denen die Kandidaten im Social Web in Verbindung gebracht werden.
Der Endspurt beginnt und welche Kandidaten punkten mit welchen Themen?
Politische Themen und ihre inhaltlichen Details sind für viele Menschen schwere Kost. Schon deshalb interessieren sich viele Wähler für die weichen Werte der Politiker, ihre menschliche Seite, ihren Charakter, den Eindruck von den Personen hinter den Repräsentanten. Sympathie, Vertrauen, Stil, und Aussehen beeinflussen ohne Zweifel die Wahlentscheidung. Dennoch sind Themen wichtig: Sie definieren die öffentliche Diskussionsagenda und damit den Stoff, mit dem nicht nur harte politische Fakten, sondern auch die weichen Werte der Kandidaten kommuniziert werden. Und natürlich sind sie gute oder weniger gute Gelegenheiten, um sich als Spitzenpolitiker zu positionieren und an die drängenden Probleme der Bürger anzuschließen.
Den Spitzenkandidaten muss deshalb daran gelegen sein, ihre Themen zu den Themen der Öffentlichkeit zu machen und sie zu besetzen, um sich in der Debatte in den Vordergrund zu schieben. Wir wollten für ausgewählte politische Aufgabengebiete wissen, wie das dem Spitzenpersonal der Parteien für dort wichtige Themen gelingt.

Grafik 1: Wichtige Themen im September

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Im September sind im Web vor allem einige Ereignisse und Themen der Außenpolitik – und dabei vor allem Afghanistan – wichtig. Die Wirtschaftspolitik tritt insbesondere im Gefolge der für Opel gefundenen Lösung für einige Tage sehr dominant auf die Tagesordnung. (vgl. Grafik 1)
Die Kandidaten sind in den Beiträgen, die sich mit diesen Themen beschäftigen, sehr unterschiedlich präsent (vgl. Grafik 2: Share of Voice der Politiker an den Themen). Manches überrascht dabei nicht: Natürlich erwartet man, dass die Kanzlerin in der Wirtschaftspolitik eine maßgebliche Rolle spielt. Nach den Erfahrungen der letzten Wochen ist auch unmittelbar einleuchtend, dass vor allem die Kanzlerin als wichtigste politische Akteurin in den meisten Gebieten am häufigsten vorkommt. Das ist der Kanzlervorteil, der von Merkel ganz offensichtlich auch gut genutzt wird. Die Vertreter der oppositionellen und kleineren Parteien müssen dagegen in Wahlkämpfen sehr dafür arbeiten, überhaupt in die Diskussion einbezogen zu werden.
Einige andere Aspekte hingegen lassen tiefer blicken:

1.    Angela Merkel schneidet vergleichsweise schwach in der Familienpolitik ab, eigentlich ein zentrales Politikfeld der Union, die hier ihre Werteverankerung ebenso demonstrieren kann wie ihre erfolgreiche politische Modernisierung durch Ursula von der Leyens Reformen in der letzten Legislaturperiode. Weitergehende Analysen zeigten jedoch, dass auch die Familienministerin in Sachen Familienpolitik im Web kaum eine Rolle spielt. Die fast vollständige Konzentration auf die Spitzenkandidaten hat sie also nicht nur in der klassischen Medienwelt an den Rand gedrängt, sondern auch im Web. Heftig diskutiert wird sie dort dennoch, aber vor allem als „Zensursula“ im Kontext der Internetsperren gegen kinderpornografische Seiten.

2.    Die Sozialpolitik und die Bildungspolitik sind Kernthemen der Sozialdemokraten. Hier schafft es Frank-Walter Steinmeier denn auch, präsenter zu sein als Angela Merkel. Auch Anette Schavan kann diese Scharte der Union nicht auswetzen: Die Bundesministerin für Bildung und Forschung kommt im Web so gut wie überhaupt nicht vor.

3.    Bei den Themen Umweltpolitik, Arbeitslosigkeit und Wirtschaftspolitik ist der Debattenanteil bei Frank-Walter Steinmeier dagegen bescheidener. Peer Steinbrück als bekannter Finanzminister und SPD-Schwergewicht ist dabei keine Hilfe. Im Web ist er für Wirtschaft eben nicht zuständig.
Anders dagegen Sigmar Gabriel: Als einer der wenigen SPD-Spitzenpolitiker hat er es in den letzten Wochen geschafft, den Wahlkampf der SPD und ihres Spitzenkandidaten merklich zu stützen. Vor allem im Hinblick auf Gorleben hat er Akzente setzen können und damit in den Umweltdebatten eine Rolle spielen können.

4.    Die Kanzlerin hat beim Thema Umweltpolitik einen sehr hohen Share of Voice. Allerdings ist der wesentlich durch die Themen Atomausstieg und Endlager Gorleben geprägt. Diese Themen werden sehr zwiespältig und durchaus auch negativ emotional für die Union diskutiert. Auf der Agenda ganz oben zu sein, heißt also nicht unbedingt, daraus auch Honig saugen zu können.

5.    Keinen Honig saugen kann jedenfalls Jürgen Trittin, Spitzenkandidat der Grünen. Wo Merkel in einer für sie schwierigen Diskussion immerhin präsent ist, findet der Spitzenkandidat der Grünen kaum statt (ebenso wenig wie Renate Künast). Die Zeiten, in denen die Grünen und ihre Spitzen automatisch von jedem Umweltthema profitierten, sind offenbar vorbei.

Die Präsenz von Jürgen Trittin ist für die Grünen sicherlich enttäuschend. In allen untersuchten Politikfeldern ist sein Anteil an den Debatten marginal. Gegenüber den Spitzenkandidaten von FDP und Linker zieht er deutlich den Kürzeren. Ursache dafür dürfte auch die Distanz der Grünen zu personalisierten Wahlkämpfen sein. Parteitribunen sind nicht in ihrem Sinn, alles auf einen oder zwei Köpfe zu konzentrieren nicht ihre Strategie. Entspre¬chend schwer haben es solche Kandidaten, als Brennpunkt der thematischen Aufmerksam¬keit zu dienen.

6.    Sehr präsent ist dagegen Guido Westerwelle, insbesondere bei Themen der Sozialpolitik, der Bildungspolitik oder beim Thema Arbeitslosigkeit. Die Bildung ist in der Tat ein Schwerpunktthema der Liberalen. In Sachen Sozialpolitik setzte man sich immerhin mit den Konzepten der FDP auseinander, die hier die klarsten Kontrastpunkte zu den anderen Parteien setzen und damit ein Ende des parlamentarischen politischen Spektrums markieren. Das gefällt natürlich keineswegs jedem, aber zumindest heizt es die Debatte an und trägt ohne Zweifel zur Profilierung der FDP in der von ihnen angezielten Zielgruppe bei.

7.    Ähnliches trifft auf die Linken bei den Politikfeldern Außenpolitik und Sozialpolitik zu. Hier profiliert man sich mit aller Kraft und arbeitet dadurch den spezifischen Kompetenzanspruch der Partei heraus. Natürlich führt dies zu Kontroversen, aber eine scharfe Positionierung nützt im Falle der kleineren Parteien durchaus, um sich abzuheben.

Die Analyse zeigt deshalb einmal mehr, dass es in Wahlkampfzeiten so manche Parallele zwischen der politischen Auseinandersetzung und der auf den Märkten gibt. Während die Kleineren angreifen, Konturen herausarbeiten und polarisieren können, müssen die Volksparteien die Flügel versöhnen, auf die Masse achten und deshalb niemanden verschrecken. Das ist in Zeiten der großen Koalition schwieriger als sonst.
Wie diese Strategien am Ende funktionieren, sehen wir am Sonntag. Wer weiß, vielleicht schrumpft der Anteil mancher Volkspartei dabei so sehr, dass der nächsten Wahlkampf mit einem Strategiewechsel beginnt: Wieder bissiger, profilierter, kampfeslustiger. Dafür aber auch mit bescheideneren Zielen.

Grafik 2: Debattenanteil der Kandidaten bei den jeweiligen Themen

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22. September 2009

Parteien im politischen Web: FDP und Grüne legen zu
nicht bewertet — linkfluence_de @ 14 h 12 min

Die CDU und die SPD beherrschen weiterhin die Debatten im politischen Web. Über die CDU mit 26,8 Prozent und die SPD mit 25,6 Prozent wird im September am stärksten debattiert und diskutiert. Die Gewinner der letzten Tage, den Anteil an Berichten und Posts betreffend, sind jedoch die FDP und die Grünen. Durch die Diskussionen um mögliche Koalitionspartner geraten sie immer stärker in den Fokus. Die Piratenpartei wird auf einem konstant hohen Niveau im Web diskutiert und hat vor allem in der Blogosphäre hohe Sympathiewerte.

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17. September 2009

Butter bei die Fische – Welche Rolle spielen eigentlich die Kandidaten auf der Menükarte des politischen Web?
nicht bewertet — linkfluence_de @ 15 h 29 min

Wer eine heiße Schlacht erwartet hatte, wurde enttäuscht. Die letzten Tage nach dem Kanzlerduell waren denn auch voll von Kritik über das Format, über die Leistung der Journalisten, aber auch über das eher lahme und langweilige Duett der Spitzenkandidaten, dass ein aufschlussreiches und explosives Duell verhinderte. Während sich viele Zuschauer enttäuscht oder verärgert abwandten, zogen die Parteien ihre Siegerrhetorik durch. Jede Partei kürt natürlich ihren Kandidaten zum Sieger.

Die Forscher von Q I Agentur für Forschung und linkfluence Deutschland haben  einen Blick ins Web geworfen, um anhand des Share of Voice der Kandidaten in den Tagen nach der Wahl einen ersten Eindruck zu gewinnen. Hier einige nüchterne Fakten zu den Folgen der Duelle:

Share of Voice – Debattenanteil

Fakt 1 – Merkel und Steinmeier legen nach dem Kanzlerduell enorm zu.
Die quantitative Messung der Beiträge und Posts im Web 2.0 zeigt, dass der share of voice der beiden Kanzlerkandidaten nach dem Kanzlerduell stark ansteigt. Gemessen werden bei dieser Betrachtung die Anzahl der Posts und Beiträge in denen die Kandidaten erwähnt werden. Mit Blick auf den Aufmerksamkeitsgewinn durch ein solches Duell haben demnach ganz eindeutig die Top-Kandidaten den Abstand zu den Kandidaten der kleineren Parteien deutlich vergrößert.

Fakt 2 – Merkel mit Kanzlerbonus in Sachen Aufmerksamkeit.
Betrachtet man die letzten zwei Wochen, lässt sich erkennen (siehe Verlaufskurve Grafik 1), dass Kanzlerin Merkel bei den Nennungen meist vorne liegt. Summiert man die Nennungen aller 5 untersuchten Kandidaten, entfallen alleine auf sie 50%, während Frank-Walter Steinmeier nur auf knapp 33% kommt (siehe Tortengrafik). Mit dem Kanzlerduell allerdings wird dieser Vorsprung knapper. Hat Steinmeier im Duell Boden gut gemacht?

Fakt 3 – Im Vergleich der Kandidaten vorne weg, aber im politischen Web nur unter ferner liefen. Auch wenn sie damit wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen, so sind die Kanzlerkandidaten im Web doch nur eines von vielen Themen. Insgesamt überschreiten die Kanzlerin und ihr Herausforderer nur knapp die 3-Prozent-Marke aller Beiträge im politischen Web.

Fakt 4 – Lafontaine, Trittin und Westerwelle eher unter ferner liefen.
Noch ernüchternder fällt die Share of Voice-Bilanz der drei untersuchten Oppositionskandidaten aus. Zwar zieht auch ihr Share of Voice nach den Duellen an, aber deutlich weniger als der von Steinmeier und Merkel. In den Diskussionen des politischen Webs ist ihre Rolle mit Nennungen unter einem Prozent aller Postings noch bescheidener.

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Grafik 1: Share of Voice von Spitzenkandidaten der Parteien seit 31. August 2009.

Natürlich muss man den Share of Voice immer mit Vorsicht genießen. Schließlich macht er weder eine Aussage über den Tenor der jeweiligen Nennungen, noch über die inhaltliche Rolle, die die Kandidaten in diesen Postings spielen. Aber allein diese Analyse der relativen Bedeutung der Spitzenkandidaten im politischen Web zu Wahlkampfzeiten zeigt sehr deutlich und ernüchternd, welche “Welle” die Kandidaten machen: Eine kleine. Weder also werden die Webpräsenzen der Parteien und ihrer Anhänger der Rolle gerecht, die ein Internetwahlkampf von ihnen fordert, nämlich aktive Beteiligung an den Debatten im Web, noch machen die Spitzenkandidaten großen Eindruck auf die politische Webgemeinde.

Jeder Vergleich mit Obama (oder auch McCain) verbietet sich demnach. Von Obama lernen, heißt siegen lernen – zumindest, wenn die Web 2.0 Strategien umgesetzt worden wären. Obama hat heute, ohne Wahlkampf und 10 Monate nach der Wahl regelmäßig einen mehr als doppelt so hohen Share of Voice (vgl. Grafik 2 oder das US-Äquivalent zu Wahlradar http://politicosphere.net ). 2008 war die Rolle der Spitzenkandidaten in den USA eben ungleich dominanter, anregender, mobilisierender und polarisierender.

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Grafik 2: Share of Voice von US-Politikern im September 2009.

14. September 2009

97% meinen: Es gibt keinen klaren Sieger
nicht bewertet — linkfluence_de @ 10 h 52 min

Symptomatisch für den Wahlkampf – das Kanzlerduell

Die Fakten:
Am 13.9. und 14.9. (bis 8.00) wurde die politische Blogosphäre im Bezug auf das „Kanzler-Duell“ untersucht und analysiert.
Die Ergebnisse kann man als symptomatisch für den gesamten Wahlkampf bezeichnen. Alle politischen Communities bis auf die konservative und die sozialdemokratische Community sind sich einig: Das Duell war kein Duell, sondern eine lahme Veranstaltung.
Nicht nur die Kandidaten, sondern auch das Format, sowie die Moderatoren werden in fast allen Beiträgen kritisiert.
Der Debattenanteil in den verschiedenen Communities:
Professionelle Onlinemedien: 72,3%
Öffentlicher Diskurs: 7,3%
Sozialdemokratische Community: 7,8%
Konservative Community: 4,9%
Satire: 2,6%
Liberale Community: 2,3%
Linke Community: 1,5%
Grüne Community: 0,7%
Rechte Community: 0,3

Die Bewertung der professionellen Onlinemedien fällt ebenso ernüchternd und enttäuscht aus, wie in der polit. Blogosphäre. 97% der Kommentare und Berichte über das Kanzlerduell sind sich einig: Es gibt keinen klaren Sieger. 3% sehen leichte Vorteile für Frank-Walter Steinmeier.
Die sozialdemokratische Community sieht Frank-Walter Steinmeier als klaren Gewinner. Sein Auftritt wird als überzeugend, glaubwürdig, souverän und offensiv bezeichnet. Die sozialdemokratische Community sieht diesen Auftritt als weiteres Signal des Aufbruches für die letzen Wochen vor der Bundestagswahl.
Wie nicht anders zu erwarten, sieht die konservative Community das etwas anders. Für sie liegt Angela Merkel klar vor ihrem Herausforderer. Ihr Auftritt wird als staatsmännisch, sachlich und souverän beschrieben. Doch, gibt es in der konservativen Community ebenfalls Stimmen, dass eher die kleinen Parteien vom Kanzlerduell profitiert haben.

Das Fazit fällt demnach nüchtern aus: So richtig schlauer scheint niemand nach diesem Duell geworden zu sein. Ein relativ geringer Anteil von 9% der gesamten Beiträge zum Kanzlerduell hätte sich ein erweitertes Duell mit den Spitzenkandidaten der FDP, der Grünen und der Linken gewünscht, vor allem, weil man sich dadurch mehr Duell, weniger Duett erwartet hätte.

11. September 2009

Wahlradar auf N24
nicht bewertet — linkfluence_de @ 11 h 44 min

Zwei weitere Analysen mit dem linkfluence-System waren am Donnerstag und Freitag im N24 Frühreport on Air.

Im Mediacenter von N24 findet man die Clips unter:

Bundeswehreinsatz in Afghanistan polarisiert

Schwarz-Gelb Vorsprung schwindet

Das linkscape-Portal von linkfluence bietet zahlreiche Analyse- und Visualisierungsmöglichkeiten für Marktforschung, Marketing-Beratung, PR, Digital Camapining, Issue-Management, etc.

Zu diesen Themen können Sie das Wahlradar-Team gerne kontaktieren.

Q I Agentur für Forschung  / linkfluence Deutschland- www.teamq.de oder http://linkfluence.net/

Publicis Consultants I Deutschland - www.publicis-consultants.de

10. September 2009

Die Piratenpartei: Politisches Schnellboot oder politischer Holzkahn mit baldigem Verfallsdatum?
nicht bewertet — linkfluence_de @ 11 h 27 min

Immer wieder erlebt die deutsche Politik das Auftauchen ganz neuer und meist frecher Kräfte, die bei Wahlen versuchen, sich zwischen die angestammten Plätze der etablierten Parteien an den Tisch der Politik zu drängeln. Die erfolgreichsten und beständigsten waren die in den 80er Jahren aufgestiegenen Grünen. Heute gehören sie zu den etablierten Parteien. Andere Versuche waren nicht von so dauerhafter Natur, wenn man die Linke als anders gelagerten Fall einmal außen vor lässt.
Die jüngste, einiges Aufsehen erregende Bewegung dieser Art ist die Piratenpartei. Sie sind die erste parteipolitische Organisation, die aus den Tiefen des Web 2.0 in die politische Arena tritt. Zur Überraschung aller erzielte sie bei minimalem zeitlichen Vorlauf und aus dem organisatorischen und finanziellen Stand ein beachtliches Ergebnis von 0,9 Prozent bei den Europawahlen (7,1% in Schweden). Nun tritt sie zur Bundestagswahl an und so mancher stellt sich die Frage, ob hier eine Überraschung heranwächst. Gelänge ihr das, hätte das Web 2.0 trotz seines zarten Alters erneut seine Leistungsfähigkeit als gesellschaftlicher Trendreaktor unter Beweis gestellt. Für die Piratenpartei entscheidet sich hingegen am 27.9., ob sie zum respektablen Underdog, zum entscheidenden Zünglein an der Waage oder sogar zum Königsmacher wird. Gelingt es ihr nicht, könnte sie hingegen schnell als bloße Randnotiz zur kurzlebigen Legende verfallen.
Die Forscher von Linkfluence und Q | Agentur für Forschung sind deshalb für das aktuelle Wahlbarometer der Frage nachgegangen, wie in der Brutstätte der Partei, dem Web 2.0 über die Aussichten und die Lage der Partei diskutiert wird. Dafür wurden die Beiträge zur Piratenpartei von Anfang Juni bis zum 9.September 2009 im politischen Web beobachtet und qualitativ und quantitativ analysiert.*

piratenpartei-grafik

Der sogenannte share of voice, das Rauschen im Internet der Piratenpartei ist beträchtlich, wenn man bedenkt wie jung diese Partei ist und welches Budget sie zur Verfügung hat. Mit 3,9% in den letzen 2 Wochen setzen die Piraten damit ein deutliches Ausrufezeichen. Von dem Traffic auf Twitter, den wir hier nicht berücksichtigt haben, ganz zu Schweigen. Die Piratenpartei ist im Web 2.0 eine echte Konkurrenz für die etablierten Parteien, was das Thema Aufmerksamkeit anbelangt.

Analysiert man die Beiträge, in denen die Piratenpartei ein Thema ist bzw. vorkommt, nach ihrer Verbreitung in den einzelnen politischen Communities, schält sich ein interessantes Ergebnis heraus:
Polit. Neutrale/Öffentlicher Diskurs: 49,5%
Professionelle Online-Medien: 27,6%
Linke Community: 8,8%
Satire Seiten: 4,5%
Sozialdemokratische Community: 2,8%
Liberale Community: 2,7%
Grüne Community: 1,9%
Rechte Community: 1,2%
Konservative Community: 0,8%

Bemerkenswert sind an dieser Verteilung vor allem 2 Werte.
•    Mit Abstand am häufigsten ist die Piratenpartei Thema im öffentlichen Diskurs der parteiunabhängigen politischen Blogs und Seiten. Hier beschäftigt man sich intensiv mit ihrer Entstehungsgeschichte, ihrer politischen Ausrichtung und vor allem ihren Top-Themen Bürgerrechte und Zensur.
Das Thema Piratenpartei ist damit eines der wenigen Themen der letzten Wochen, in dem nicht die professionellen Medienseiten die meisten Beiträge/Posts im politischen Web  verursachen. Der Befund lässt erkennen, dass die Piratenpartei noch immer in besonderem Maße ein Thema des Webs ist. Dort, in der politischen Blogosphäre, ist die Partei gut vernetzt und profitiert davon, dass gerade eines ihrer Themen, die „Internetzensur“ (Stichwort „Zensursula“), in der Bloggergemeinde – über alle politischen Grenzen hinweg – ein wichtiges Thema ist.
•    Zum anderen fällt auf, dass sich die linke Community weit aktiver mit der Partei auseinandersetzt als andere parteinahe Communities. Ihr Share of Voice am Thema liegt zumindest in der Nähe ihres Anteils an den Webpräsenzen. Zum wiederholten Male zeigt sich damit, wie wenig die etablierten Parteien den Debatten im Internet folgen können und wie schwach ihre themenspezifische Präsenz trotz ihres beachtlichen Anteils an den Webpräsenzen ausfällt. Anders gesagt: Man hat zwar Möglichkeiten, macht aber nichts daraus.

In der konservativen Community beachtet man die Piratenpartei am wenigsten. In der grünen Community fand vor allem der Wechsel des früheren Abgeordneten und Gründungsmitglied der Grünen, Herbert Rusche, Beachtung. In der sozialdemokratischen Community nimmt man die Erfolge wahr, erkennt sie auch an, weist aber darauf hin, dass immer noch in der „richtigen“ Welt gewählt wird.
Die schiere Präsenz aber ist nicht alles. Wichtig ist auch, wie über sie diskutiert wird. Denn angesichts eher knapper Kampagnenkassen ist die im Web veröffentlichte Meinung und ihre meinungsprägende Qualität und Geschwindigkeit entscheidend für die Erfolgschancen dieser Partei.
Die Piratenpartei findet einerseits viel Anerkennung wegen ihres schnellen Erfolges. Angesichts ihres Abschneidens bei der Europawahl, dem „Entern“ einiger Stadträte, den hohen Zuwachsraten an Parteimitgliedern oder den exzellenten Umfagewerten bei XING und studiVz wird im politischen Web spekuliert, ob die Piratenpartei so etwas wie die Grünen in den 80er Jahren werden könnten. Man zeigt Respekt, denn hier kann anscheinend wirklich etwas bewegt werden. Andererseits stellt sich manchen auch die Frage, wie weit diese erste Glückssträhne reicht.
Allerdings gibt es angesichts einiger aktueller Vorfälle und so manchen wahrgenommenen inhaltlichen Ungereimtheiten auch viel kritischen Diskussionsstoff. Beispiel ist etwa die „Personalpolitik“ der Piraten. Die Aufnahme des inzwischen wegen Besitzes kinderpornografischer Bilder angeklagten (aber bisher nicht verurteilten) Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss war vor allem Ende Juni und aktuell – durch die Aufhebung seiner Immunität – ein wichtiges Thema. Allein 18% der Beiträge über die Piratenpartei in professionellen Online-Medien drehen sich um die Person Tauss. Sicher ist das eine eher zwiespältige Ernte. Eine weitere Personalie, die sich negativ auf das Image der Piratenpartei ausgewirkt hat, ist der rechter Tendenzen verdächtigte Bodo Thiesen.
In allen politischen Communities findet man zudem kontroverse Debatten darüber, dass die Piratenpartei eine „Ein-Themen-Partei“ und ein „Männerbund“ sei (Gender Trouble). Hintergrund ist sicher auch, dass selbst viele Blogger die Piratenpartei noch nicht richtig einordnen können. Während man einerseits festhält, dass sie nicht in das gewohnte Spektrum passe, spekuliert man andererseits, in welches Spektrum sie dann passt. Gerade wer Wahloptionen kritisch diskutiert, verlangt nach einer nachvollziehbaren und konsistenten Positionsbestimmung. Die Unsicherheit in dieser Sache führt zu höchst unterschiedlichen Einschätzungen: Von „Fertig zum Abwracken“ über die Frage „Was machen denn die Piraten genau?“ bis hin zu die Piraten sind die „Grünen 2.0“.

Der Debattenstand im politischen Web zeigt, dass die Piratenpartei ihren Platz noch nicht gefunden hat. Sie liegen quer zum gewohnten politischen Universum, was ihnen bei den einen zum Vorteil, bei anderen zum Nachteil gereicht. Das macht die Piraten einerseits interessant und attraktiv, aber auch unberechenbar.
Währenddessen naht die Bundestagswahl. Die Inhaltsanalyse zeigt, dass die Piraten-Unterstützer, Fürsprecher und Sympathisanten eher in der grünen, linken und politisch-neutralen Community zu finden sind. Das macht ihre Existenz umso brisanter. Angesichts vielleicht sehr knapper Verhältnisse könnten selbst 2 Prozent für die Piratenpartei am 27.9. einer schwarz-gelben Koalition die nötige Mehrheit verschaffen, indem sie den anderen Stimmen wegnimmt.
Zu viel der Spekulation? Immerhin: Das Ergebnis der Bundestagswahl scheint von Woche zu Woche offener zu werden. Bereits die Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und dem Saarland (siehe Wahlbarometer Landtagswahl-Nachlese von letzter Woche) machten das deutlich. Neue Umfragen bestätigen diesen Trend zur Offenheit der Wahlsituation. Auf jeden Fall wird taktisches Wählen höchst schwierig und unübersichtlich. Aber am Abend des Wahlsonntags haben die Spekulationen ein Ende. Dann ist – um in der Sprache der Piraten zu bleiben – klar: Entern oder Kentern?!

*Die deutsche Web-Präsenz der Piratenpartei und ihr Einfluss (Linkfluence) im Web ist noch so frisch, dass sie noch nicht auf der Wahlradar-Karte des politischen Webs erfasst und verortet ist. Da diese Karten regelmäßig (etwa vierteljährlich) aktualisiert werden, wird sie erst beim nächsten Karten-Release auf der Karte erscheinen.

8. September 2009

Wahlradar und linkfluence bei N24
nicht bewertet — linkfluence_de @ 12 h 17 min

Heute Morgen war es so weit: Der N24 Moderator Benjamin Nickel präsentierte Ergebnisse zum aktuellen “Kunduz-Vorfall” und die Diskussion im politischen Web. Das linscape-Portal für Analysen im Web 2.0 wurde während des N24 Formats “Frühreport” genutzt. Mehr auf www.n24.de

4. September 2009

Das bloggt: Merkel auch im Internet deutlich vorne
nicht bewertet — publicisconsultants_de @ 12 h 03 min

Bundeskanzlerin Angela Merkel liegt bei den Erwähnungen in der politischen Blogosphäre klar vor ihrem Herausforderer Frank-Walter Steinmeier. Das geht aus der August-Analyse von Wahlradar hervor.

Demnach entfallen 34,0 Prozent der Nennungen in politischen Blogs auf die Kanzlerin der Union. Frank-Walter Steinmeier bringt es auf 21,3 Prozent, gefolgt von CSU-Shooting-Star Karl-Theodor zu Guttenberg mit 9,3 Prozent. Noch deutlicher fällt das Ergebnis bei den klassischen Online-Medien aus. Hier führt Merkel mit 51,2 Prozent vor zu Guttenberg (17,5 Prozent) und dem Kanzlerkandidaten der SPD mit 9,2 Prozent.

3. September 2009

Nachlese Landtagswahlen: Wo bitte geht’s zur politischen Zukunft?
nicht bewertet — linkfluence_de @ 12 h 30 min

Die Ergebnisse der Landtagswahlen im Saarland, in Thüringen und Sachsen, sowie der Kommunalwahlen in NRW nehmen in dieser Woche breiten Raum im politischen Web ein. Im Vorfeld vollmundig als Super-Wahlsonntag angekündigt, hatte man sich von ihnen in vielen Blogs und professionellen Online-Medien eine richtungsweisende Vorentscheidung, einen Gradmesser für die Bundestagswahl oder zumindest die Initialzündung für eine temperamentvollere Auseinandersetzung erwartet. Die aktuelle Auswertung von rund 3.000 Websites und Blogs, die sich mit politischen Themen befassen, zeigt jedoch, dass in den Tagen danach vor allem Ratlosigkeit, Verunsicherung und Sprachlosigkeit dominieren. Denn das Ergebnis lässt darauf schließen, dass der Ausgang der Bundestagswahl völlig offen ist. Die politische Langeweile, die das Land seit längerem erfasst hat und nun von einem beispiellos bedeutungslosen Wahlkampf garniert wird, strebt zielstrebig auf eine Wahl zu, die die politischen Karten in Deutschland neu mischen könnte. Nicht weil ein großer Richtungswechsel anstünde, sondern weil weniger denn je erkennbar ist, was sie als Folgen zeitigen wird.
Im politischen Web gibt es nach den Landtagswahlen nur zwei Aspekte, die über alle Communities hinweg gleich oder zumindest ähnlich beurteilt werden: Die Linke ist Wahlgewinner. Gleichzeitig ist alles andere unklarer als je zuvor.
In den politisch neutralen Blogs und den professionellen Medienseiten ist der Ausgang des Wahlsonntags ein großes Thema. Während man sich als nicht Betroffener einerseits entspannt zurücklehnt und teilweise amüsiert die Lage kommentiert, ist man doch andererseits auch hier spürbar verwirrt. Mehr denn je scheint die Situation offen, unkalkulierbar, außer Kontrolle. Nicht zuletzt deshalb kommentiert man die Situation auch mit Begriffen wie das „große Lotteriespiel“ oder das „große Farbenspiel“.
Die Medienseiten konzentrieren sich auf die Union als Wahlverlierer, die Linke als Sieger und die nun entstandene Situation. Handelsblatt.com titelt „Saar-Napoleon spielt seine Lieblingsrolle“, RP-Online schreibt „Der letzte König von Saarbrücken“. Diese Kommentare sind typisch für die Berichterstat¬tung nach dem Super-Wahlsonntag. Die Lage für die SPD und die CDU werde auf jeden Fall nicht einfacher und Lafontaine stürze die SPD in ein strategisches Dilemma. Parallel dazu beginnt man über die Folgen der Wahlergebnisse, vor allem aber die nun möglichen Koalitionskonstellationen zu spekulieren. Dabei geht es zwar forsch in alle Richtungen, aber erkennbar ohne eine klare Idee, wie sich die Ergebnisse (und deren Gründe) in zukunftsweisende politische Konstellationen für Deutschland umsetzen ließen. Trotz vieler spekulativer Zeilen lässt sich die Ratlosigkeit der Medienwelt über die Ergebnisse, ihre Bedeutung für die Bundestagswahl und die folgende Legislaturperiode nicht übersehen.
Die Blogs der den Parteien näher stehenden politischen Communities befinden sich 3 Tage nach der Wahl dagegen offensichtlich in einer Art Schockstarre. Es finden sich kaum Beiträge und Kommentare zu den Ergebnissen des Sonntags. Allerorten herrscht große Unsicherheit. Weder der liberalen, der grünen, der konservativen noch der sozialdemokratischen Community ist so richtig zum Feiern zumute.
Einig sind sich alle diese Communities – auch die konservative – darin, dass die Landtagswahlen für die CDU und die Kanzlerin nicht gut gelaufen sind. Der sozialdemokratischen Community hat das offenbar ein wenig Oberwasser beschert. Wie nicht anders zu erwarten, freut man sich hier über die massiven Verluste der CDU und wirft Angela Merkel Profil- und Richtungslosigkeit vor. Ein Zitat spiegelt die Gemütslage wider: „Althaus war der erste Streich, doch die Merkel folgt sogleich“. Dagegen sieht man Frank-Walter Steinmeier als Wahlgewinner. Man spürt Rückenwind für die SPD und ihren Kandidaten und gibt sich entsprechend kämpferisch. Für die SPD beginne nun der „High Noon“. Zwischen den Zeilen aber ist auch in der SPD-nahen Community deutlich zu spüren, wie die Angst mitschwingt, dass man sich die Ergebnisse schönredet und Illusionen über die eigenen Chancen macht.
In der konservativen Community nimmt man diese Sicht eben so gelassen zur Kenntnis wie die Ankündigung, dass Steinmeier nun ordentlich „Gas gebe“. Bei allen Sorgen um das Abschneiden der Union bei den Landtagswahlen flößt die SPD keine Angst ein. Angst hat man eher vor den Wählern, die unberechenbarer denn je zu operieren scheinen und die man ganz offensichtlich nicht so erreicht und überzeugt, wie man das geplant und erhofft hatte. Vor allem die Wahlkampf-Strategie der CDU bietet deshalb Anlass zur kontroversen Diskussion. In der konservativen (und der liberalen) Community werden Stimmen laut, dass der furchtbar langweilige, leidenschaftslose und emotionslose „Wahlkampfvermeidungswahlkampf“ (Sprengsatz.de) ein wsentlicher Teil des Problems sei.
Oskar Lafontaine und die Linke werden in den konservativen und sozialdemokratischen Blogs als persona non grata weitgehend ignoriert. Einige Kommentare der liberalen Community wundern sich und stellen bestürzt fest, dass Lafontaines Erfolg auf einfachsten Versprechungen beruhe, auf die Menschen immer wieder hereinfallen. Wie zu erwarten beglückwünscht dagegen die linke Community Lafontaine zum sensationellen Wahlsieg im Saarland. Die SPD habe jetzt ein Lafo-Trauma. Genüsslich stellt man zudem fest, dass nun wohl das große Zittern der arrivierten Parteien losgeht.

Fazit: Es gibt offensichtlich mehr Verlierer als Gewinner nach diesem Wahl-Sonntag. Konfusion macht sich breit. Der Wahlkampf entwickelt sich zum Kommunikationsdesaster. Die Hoffnung, dass die Landtagswahlen Orientierung bringen, ist völlig enttäuscht. Die Irritationen reichen tief:
1.    Eigentlich schien alles klar: Die CDU lag vorn, die Liberalen gewannen an Boden. In der Summe sollten die Prozente reichen – trotz eines eklatanten Mangels an echter Wechselstimmung und trotz mangelnder Begeisterung über die Aussichten mit einer schwarz-gelben-Koalition. Aber Rot-Rot, so dachte man, wünschen sich noch viel weniger, nicht einmal die Sozialdemokraten selbst. Nun könnte es aber doch anders kommen.
2.    Die CDU verliert drastisch, von Siegerlaune keine Spur. Ihr Fall heraus aus dem Status der Volkspartei nimmt zunächst weiter seinen Lauf. Außerdem ist es die erste spürbare Niederlage nach vielen guten Nachrichten und guten Umfrageergebnissen (vor allem für Kanzlerin Merkel). Die SPD wurde von dort bereits verabschiedet und kann sich nun auf niedrigem Niveau der Illusion von „Erfolg“ hingeben. So widersinnig und verzweifelt es klingen mag: Möglicherweise mobilisiert gerade das neue Käfte und damit einen kleinen Schub für die Genossen.Die Linke feiert sich als Gewinner. Immerhin hat man im Westen einen Erfolg von ostdeutschem Ausmaß erzielt. Nichtsdestotrotz wird sie von den anderen „links“ liegen gelassen. Man versucht das Thema und seine Implikationen unter den Teppich zu kehren. Aber bekanntlich geht so etwas selten gut.
3.    Grüne und Liberale versuchen derweil, sich ins Fäustchen zu lachen. Vordergründig ist ihre Welt in Ordnung, schließlich gibt es allerorten Gewinne. Dumm ist nur, dass die Koalitionsarithmetik nun gefährdet ist. Mag sein, dass alles gut geht und man sich koalitionsbezogen am 27. September 2009 in vertrauten Gewässern befindet. Möglich erscheint aber auch ein Ergebnis, dass ihrem politischen Spitzenpersonal noch graue Haare bescheren könnte. Dennoch ist ihre Situation noch weitaus komfortaler als die der beiden „großen“ Parteien.
4.    In den CDU-nahen Blogs wird auch deshalb Kritik laut: Die Irritationen über einen übersouverä-nen Kanzlerwahlkampf ohne politisches Herzblut, ohne programmatische Brillanz und Offensive, ohne klare Kante nimmt zu. Ohne Zweifel brodelt es im Kessel und die Angst geht um. Ein Ergebnis auf dem Niveau von 2005 oder darunter ist nichts weniger als eine klare Niederlage gegenüber den eigenen Ansprüchen. Sie würde zudem das Selbstkonzept als letzte große Volkspartei massiv beschädigen.
5.    Die SPD befindet sich in einem schlimmen strategischen Dilemma: Die Landtagswahlen haben gezeigt, dass eine Zukunft im20-Prozent-Turm nun Gegenwart wird. Das katapultiert sie – für jedermann sichtbar – in eine Situation, in der sie sich schon im Vorfeld der Bundestagswahl sehr unangenehmen Alternativen stellen muss. Geht man in die Opposition oder stellt man sich den potenziellen Partnern, die man zumindest nach außen hin gerne vermeiden wollte: Union bzw. Linke? Die Kollateralschäden lassen in beiden Fällen wenig Gutes für die nächsten Jahre erwarten.

So unspannend der Wahlkampf also ist: Gerade deshalb wird es nun langsam richtig spannend. Wird es den Volksparteien gelingen, sich aus der Starre zu lösen? Werden wir als Bürger vielleicht doch noch mehr zu hören bekommen als dröhnende und inhaltsleere Phrasen? Werden die Deutschen am Ende ein Wahlergebnis verursachen, dass die Republik zu neuen politischen Konstellationen führt? Und was werden die Folgen sein?
Sicher scheint gegenwärtig nur eins: Das Land befindet sich politisch in einem tiefgreifenden Wandlungsprozess, dessen Ergebnisse unabsehbar sind. Die Bundestagswahlen werden in diesem wohl eher Etappe als Richtungsentscheidung sein. Das spürt man auch im politischen Web. Stellen wir uns also auf allerhand Trubel und Veränderung ein.